Feldtagebuch – Männer allein im Wald

Aus dem Leben einer potentiellen Ein-Mann-Armee

Horst Köhler geht …

Montag 31. Mai 2010 von Hainbuchenplatz

… und keiner der hohen Damen und Herren versteht die Botschaft?! “Leckt mich am Arsch und macht euren Scheißdreck alleine!”

Ganz genau so habe ich seine Botschaft verstanden. Den ganzen Abend flimmern schon Erklärungen und schöne, beleidigte?, empörte? Worte über den Bildschirm. Aber sind wir doch einmal ehrlich. Sobald in unserer Republik irgendjemand, wer’s auch immer sein mag, den Herren und Damen Politikern den Spiegel vorhält, dann gibt’s Druck.
Liebe Damen und Herren, wer unserem ehemaligen Herrn Bundespräsidenten Kritikunfähigkeit vorwirft, der prüfe zuerst einmal sich selbst. Herr Köhler hat in meinen Augen großen Mut bewiesen und mit seinem Rücktritt ein klares Statement zur deutschen Politik und zu denjenigen, die sie machen, abgegeben.

Über den Zeitpunkt mag man diskutieren, doch fühle ich mich persönlich nicht vom Bundespräsidenten im Stich gelassen. Im Stich gelassen fühle ich mich von der Regierung, die dem Volk gegenüber mehr Ehrlichkeit und Engagement schuldig ist. Wer sich jetzt in Berlin oder anderen politischen Zentren in Deutschland kritisch äußert, der prüfe seine politische Tätigkeit in den vergangenen Jahren. Habe ich mich mit politischen Graben- und Wahlkämpfen aufgehalten und die Menschen, denen ich als Politiker dienen soll, vergessen? Habe ich über meine “(sehr gut bezahlten) Nebentätigkeiten” mein Amt vernachlässigt und mit den Lobbyisten “gemeinsame Sache gemacht”? Sehr verehrte Damen und Herren, erst wenn Sie beide Fragen mit einem klaren ‘Nein!’ beantworten und am nächsten Morgen noch guten Gewissens in den Spiegel schauen können, dann sind Sie überhaupt erst zu irgendeiner Form von Kritik berechtigt.

Und bitte bedenken Sie auch, daß Sie für uns, das Volk, arbeiten. Vor allem richte ich diesen Appell an all diejenigen, die den folgenden Eid geleistet haben: “Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.”
Bei allem gebotenen Respekt,
bitte gestatten Sie mir den Vorwurf, daß Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, vor diesem Eid langsam aber sicher Ihre Glaubwürdigkeit verlieren; zumal Sie Ihre vermeintlichen Wahlerfolge immer noch auf der Basis einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung feiern. So ungerne ich dies auch schreibe, es gibt keine wirklichen Alternativen. Vielleicht sollten Sie anfangen, die Wahlergebnisse in einem anderen Licht zu sehen. Auch eine Verweigerung der Stimmabgabe bei der Bundestagswahl kann eine Meinungsäußerung sein, in meinen Augen ein klares ‘Nein!’ zum bestehenden Angebot. Fast 1/3 aller Wahlberechtigten hat bei der letzten Bundestagswahl auf die Stimmabgabe verzichtet, fast 20 Millionen wahlberechtigte Bundesbürger. Den höchsten Stimmenanteil als Einzelpartei konnte die CDU, knapp 12 Millionen Stimmen, für sich verbuchen. Für mich ergibt sich aus den Zahlen der letzten vier Bundestagswahlen eine eindeutige Tendenz.
Vor diesem Hintergrund erdreisten sich Menschen aus Ihren Reihen, die mit der Meinungsfreiheit, dem Grundgesetz entsprechend, vertraut sein sollten, den Vorschlag zu äußern, Nichtwähler mit Geldstrafen zu belegen. Wie bereits erwähnt ist auch der Verzicht auf eine Stimmabgabe eine Meinungsäußerung, hier  leider eine Absage an Sie! Eine derartige Meinungsäußerung dann aber gleichzusetzen mit Demokratieverweigerung und ähnlichem … meine sehr verehrten Damen und Herren!

Nehmen Sie vielleicht dies als Ansporn, kleine Hilfestellung, Wink mit dem Zaunpfahl. Schaffen Sie durch Ehrlichkeit, Transparenz, ehrlichem Engagement und mit gesundem Menschenverstand wieder ein gutes Verhältnis zum Bürger und der wird es ihnen bestimmt danken.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr “H.M.” Endreß

Kategorie: Ernstes, Politisches | 2 Kommentare »