Die letzten Helden dieser Erde – oder warum sich einer die Hose auszog, um das Fürchten zu lernen
Freitag 27. Juni 2008 von Hainbuchenplatz
Grisu, der kleine grüne Drache, wollte Feuerwehrmann werden. Ich, ich will Held werden. Aber wie wird man ein Held? Hab da ma bei der Agentur für Arbeit angerufen und gefragt, ob’s da vielleicht Ausbildungsplätze gibt. Die Stimme am anderen Ende der Leitung hat mich dann fachmännisch informiert: “Wat wollnse? Held wollnse weerdn? Also wir sinn hier de Helden von de Abeit!” War mir schon klar, aber wirklich weitergeholfen hats mir auch nicht. Ein richtiger Held arbeitet ja auch nicht.
Schade! Aber warum nicht jemanden fragen, der selbst ein Held ist – und zwar der letzte deutsche Held: Michael Neugebauer. Der hat nämlich seinen 3er BMW in Frankfurt auf offener Straße angezündet. Damit wollte er ein Zeichen setzen und gegen den Spritwucher in Deutschland demonstrieren. Warum ein Held? Erstens endlich mal einer, der’s Maul aufmacht bzw. sein Auto anzündet. Zweitens gehört für einen Deutschen schon so einiges dazu sein Lieblingsspielzeug nicht zu verkaufen, sondern anzuzünden. Ganz so glatt ist die Sache dann wohl doch nicht gelaufen.
Was man beachten sollte, wenn man auf diese Art und Weise ein Held werden will. Ohne Genehmigung geht nix, gar nix. Denn wenn die Ordnungshüter vorbeischaun, dann woll’n die erstmal ne fett krasse Genehmigung sehn, ey! Ansonsten gibt’s nämlich ne !!!kostenlose!!! Fahrt auf die Wache. Naja, da hat man wenigstens schon mal den Sprit gespart – wenigstens in kleiner Teilerfolg. Die Feuerwehr will natürlich auch noch entlohnt werden. Sollen wohl so um die 10.000 Euro sein. Und wer das dann nicht in der Portokasse hat, der muß in den Knast.
Tja, Michael, da muß ich mir dann wohl doch jemanden anderes suchen, der mir genau erklären kann, wie man ein Held wird.
Wieder nix! Verdammt auch! Der letzte deutsche Held mit einem Fuß im Knast und noch immer keiner, der mir armen potentiellen Ein-Mann-Armee weiterhelfen kann. Dann muß ich mich wohl doch mal im Ausland umschaun.
Schweiz. Der kleine Ricola-Mann mit dem roten Blaulicht auf dem Kopf und der schweizer Krawatte um den Hals. Der ist zwar lustig und klopft Schweden und Australiern auf die Finger – aber ein richtiger Held ist er auch nicht.
Frankreich. Trüffelschwein Jacqueline. Die findet zwar endgeilen Nährschlamm, aber eine Heldin ist sie dann doch auch nur für ihren Besitzer. Der streicht dann auch nur noch das ganze Geld aus dem Trüffelerlös ein und was bleibt der armen Jacqui? Kukuruz, oder wie man bei uns dazu sagt: Mais. An sich ja echt ne Schweinerei.
England: Mr. Bean. Italien: Silvio Berlusconi. Südtirol: der Jeti (ist jetzt bei Reinhold eingezogen).
Also ich merk schon, auf dem alten Kontinent is da nix zu holn.
Also rüber über’n großen Teich zu den Amis. Ich hab gehört, daß die sogar Superhelden haben sollen. Superman, toller Typ, netter Anzug, rot blau gelb. Also von New York nach Metropolis, Illinois. Und schon wieder eine riesige Entäuschung. Superman ist nur eine überlebensgroße Figur vor dem örtlichen Gerichtsgebäude. Außerdem haben die in den USA nicht so viele Wurstsorten wie wir hier in Deutschland. Und Gummibrot schmeckt auch nur zwei Wochen am Stück lang gut.
Is mir nix anderes geblieben als wieder zurück in die Heimat zu jetten.
Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Im Flieger, ich wollte Musik hören, Kopfhörer 12,50 (kann mit Kredikarte bezahlt werden), dudelte da ein Lied, das mir aus meiner Misere half: “Die letzten Helden dieser Erde satteln ihre Pferde und sie reiten vierzig Tage lang in den Untergang …”. Phänomenal! Und Google sei dank, hab ich dann auch was gefunden – die Hompage der vier Reiter der Apokalypse. Gut, über den Heldenstatus mag man sich jetzt streiten. Aber die Jungs machen ja ordentlich einen los. Sieg, Krieg, Tod, Seuchen, Chaos, Zerstörung – da kenn ich mich aus. Und das beste war, daß die Jungs für die Imagepflege noch einen fünften anheuern wollten. Voraussetzung: Pferd, 3er Führerschein und ne Ahnung vom Phoenix aus der Asche, also den ganzen Auferstehungs – und Partykram.
Hab den Job bekommen (besser als so ein blöder Held), Pferd gekauft und blitzebunt lackiert, bin ja als fünfter Reiter der Apokalypse ja für den ganzen PR Quatsch zuständig. Manchmal darf aber auch ich so richtig draufhaun. Hab nur ein Problem. Der Klepper wohnt im Moment noch bei mir in der Wohnung und scheißt mir den Gang voll. Hoffentlich findet der bald was eigenes.
Und eigentlich sind wir fünf die wahren Helden. Wir reiten nicht nur in den Sonnenuntergang, wir machen ihn (jetzt auch in bunt).
An den Nachschub: den Klepper nochmal mit Klarlack überziehn, damit nix abblättert; frischen Hafer kaufen und macht endlich mal die Pferdescheiße im gang weg, ihr Vollidioten. Und wer von euch Deppen hat dem Gaul das Wort “Gewerkschaft” beigebracht?!?
Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 27. Juni 2008 um 23:56 und abgelegt unter Das Feldtagebuch. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Montag 1. Dezember 2008 um 14:54
Hehe, klasse Geschichte. Aber warum wolltest du nicht Superman sein, der kann schließlich fliegen und nicht nur reiten… Das ist doch mal viel cooler. Oder wie wärs mit Spiderman? Die Wände hochgehen können, ok, kann manch einer auch ohne Superkräfte
Freitag 19. Dezember 2008 um 22:56
Wiedermal ein toller Beitrag und ein tolles Jahr zu Ende! Ich wollte mich bei Dir für die unterhaltsamen aber auch informativen Beiträge bedanken und wünsche dir ein Frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Ich fahre jetzt erstmal in Urlaub! Bis denne…
Sonntag 11. Januar 2009 um 13:30
Grisu? Gibt es da nicht ein Kinderbuch von diesem Drachen? Ich glaube, dass ich mich da wage daran erinnern kann. Der kleine Drache. War glaube ich kein schlechtes Buch.
Die Geschichte, die du hier erzählst ist wirklich total super. Allerdings hätte ich mich für Superman entschieden. Der hat sehr viele Muskeln und die Frauen lieben ihn über alles. Und er kann fliegen und muss nicht mehr mit dem Auto fahren. Obwohl ich glaube das Fliegen derzeit bei diesen Temperaturen nicht sehr angenehm sein wird.
Mittwoch 28. Januar 2009 um 22:28
Grisu wer kennt ihn nicht, ich will Feuerwehrmann werden. Ich habe ihn noch bildlich vor den Augen. Deine Geschicht finde ich super, ich hätte mich auch für Supermann entschieden, ist doch ein eine Kultfigur und ein Held.
Donnerstag 29. Januar 2009 um 13:46
Ich lese ja sehr gerne Geschichten. Ich weiß auch nicht warum, aber sie ziehen mich einfach magisch an. Es gibt zwar sehr gute Autoren, die dann diese auch in einem Buch zusammenfassen und dann veröffentlichen, aber diese interessieren mich jetzt eigentlich weniger. Es sind genau die Geschichte wie diese hier, die ich gerne lese und bei denen ich sagen muss, dass sie wirklich was aussagen. Da macht es richtig Spaß sich ein paar Minuten mehr zu nehmen und auch einen Kommentar zu hinterlassen.
Donnerstag 5. Februar 2009 um 08:39
*lach* Was habe ich jetzt geschmunzelt bei dieser kleinen, aber feinen Geschichte. Besonders schön der Anruf bei der Arbeitsagentur, ob es nicht Ausbildungsplätze für Helden gäbe
Also ich muss sagen, sehr schön und einprägsäm beschrieben, bitte mehr von solch schönen Geschichten.
Dienstag 3. März 2009 um 09:31
Caro, da kann ich dir nur zustimmen. Die Story ist wirklich toll geschrieben, aber ich glaube, ein Mehr davon gibt es leider nicht mehr
Der Blog ist ja doch recht ruhig geworden, die letzten Einträge sind schon eine ganze Weile her, leider. Naja, da kann man nur hoffen, dass bald wieder etwas hier passieren wird.
Dienstag 10. März 2009 um 15:57
Also ich habe mir die Geschichte schon einmal durch gelesen und ich musst wieder herzlich dabei lachen, besonders das Ding mit der Arbeitsagentur finde ich immer wieder urkomisch. Aber eigentlich dachte ich, dass ich heute hier etwas Neues zu lesen bekomme, aber leider ist der Blog sehr vereinsamt. Finde ich persönlich eigentlich sehr schade. Aber vielleicht kommt ja doch mal bald wieder was.